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Erste Rede von Olav Gutting MdB am 22. Mai 2003 im Deutschen Bundestag: Deutsch als dritte Arbeitssprache auf europäischer Ebene
Geschrieben von: Webteam
Donnerstag, den 22. Mai 2003 um 11:52 Uhr
 
 
In der heutigen Debatte zum Antrag der CDU/CSU "Deutsch als dritte Arbeitssprache auf europäischer Ebene - Verstärkte Förderung von Deutsch als lernbare Sprache im Ausland" führte Olav Gutting MdB u.a. folgendes aus:

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es ist schon eine Weile her, da spielten deutsche Forscher und Erfinder in der Welt der Wissenschaft eine herausragende Rolle. Damals diente die deutsche Sprache als Hauptverständigungsmittel im internationalen Wissenschaftsbetrieb. Diese Zeiten sind aber längst vorbei. Nicht mit dem Fehlen einesZuwanderungsgesetzes, Herr Staatsminister Bury, sondern mit dem allmählichen Verlust unserer Spitzenstellung in Forschung und Wissenschaft nahm und nimmt auch die Bedeutung der deutschen Sprache ab.

Heute müssen deutschsprachige Wissenschaftler in Englisch publizieren, um international zur Kenntnis genommen zu werden. Besserung ist auch hier nicht in Sicht: zum einen, weil den deutschen Forschungsinstutionen und -organisationen nach den rot-grünen Haushaltskürzungen hohe zweistellige Millionenbeträge fehlen, und zum anderen, weil sich Deutschland unter der jetzigen Regierung aus wichtigen, zukunftsträchtigen Forschungsbereichen wie der Kernenergie und der grünen Gentechnik zurückgezogen hat.Die deutsche Sprache ist im internationalen Umgang erheblich ins Hintertreffen geraten. Das ist umso bedauerlicher, als Deutsch die als Muttersprache am meisten gesprochene Sprache in der EU ist. Sie wird von fast 100 Millionen Menschen in der Europäischen Union - das ist mehr als ein Viertel aller EU-Bürger - gesprochen. Obwohl Deutsch als Muttersprache in der EU in Europa mit grossem Abstand den ersten Rang einnimmt, obwohl der deutschsprachige Raum das höchste Bruttosozialprodukt in Europa erwirtschaftet und obwohl im EU-Parlament die deutschsprachigen Abgeordneten die grösste Gruppe stellen, wird derzeit nur 1 Prozent der externen Kommunikation durch die EU-Beamten in deutscher Sprache geführt. Um diesen Zustand zu ändern, muss der Verbreitung und Pflege der deutschen Sprache im Ausland ein höherer Stellenwert zukommen. Dabei geht es nicht nur um die eigentlich selbstverständliche Verpflichtung, die Sprache der deutschen Dichter und Denker zu fördern und zu pflegen, sondern es geht auch um handfeste wirtschaftliche Interessen. Schauen wir uns doch einmal die wirtschaftspolitischen Aspekte an, die mit der ungenügenden Berücksichtigung der deutschen Sprache als Arbeitssprache zusammenhängen! In Punkt 2 unseres Antrages heisst es unter anderem:"Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, ? dafür Sorge zu tragen, dass Deutsch bei allen Veröffentlichungen, Datenbanken, Standards, Konferenzen und Ausschreibungen den Sprachen Englisch und Französisch gleichgestellt wird."Wer sich die Mühe macht, eine europäische Ausschreibung zu lesen, der weiss, vor welchen Problemen ein deutscher Auftragnehmer steht. Man hat einen Wust von Papieren in der Hand und kommt auch dann, wenn man die englische Sprache einigermassen beherrscht, kaum über den ersten Absatz hinaus.In einer Wirtschaftslage, die vom Nachfrageausfall der öffentlichen Hände - insbesondere bei den Kommunen - gekennzeichnet ist, in einer Situation, in der Mittelstand und Handwerk der Insolvenz näher sind als dem goldenen Boden und in der unsere Volkswirtschaft stagniert - einige sprechen sogar von Rezession -, wären zusätzliche öffentliche Aufträge gerade aus dem europäischen Raum dringend notwendig. Aufträge in diesem Bereich wären für viele Betriebe ein rettender Strohhalm. Ich spreche von einem erheblichen ökonomischen Faktor. Man muss sich die Zahlen einmal vor Augen halten: Die Gesamtausgaben im europäischen Auftragswesen bewegen sich derzeit zwischen 1 Billion und 1,5 Billionen Euro. Davon entfallen rund 250 Milliarden Euro auf deutsche Auftraggeber. Wenn es um die Verteilung dieses Auftragsvolumens geht, dürfen unsere deutschen Firmen nicht zu kurz kommen. Das setzt aber Chancengleichheit bei der Informationsbeschaffung voraus. Ich bin ja aus Baden-Württemberg und kenne mich deshalb mit Deutsch ganz besonders gut aus. Ich komme aber aus einer grenznahen Region. Viele Betriebe in meinem Wahlkreis würden sich gerne an einer der insgesamt 240 000 Ausschreibungen der EU-Kommission beteiligen. Für Grossunternehmen stellen die meistens in Englisch abgefassten Ausschreibungsbedingungen keine allzu grosse Hürde dar, da sie über Spezialisten verfügen, die sich in der entsprechenden Materie bestens auskennen. Aber für einen kleinen Mittelständler oder Handwerker ist es einfach zu aufwendig, ja auch zu kostspielig, eine Übersetzung ins Deutsche anfertigen zu lassen. Viele Informationen, die die europäische Vergabepraxis betreffen, lassen sich auch im Internet finden. Die elektronische Informationsseite der EU für das Vergabewesen, das Système d'Information pour les Marchés publics, kurz SIMAP, bietet fast ausschliesslich englische Textseiten an. Daran ändert auch nichts, dass einige Unterseiten in Deutsch sind; denn selbst auf den deutschen Unterseiten sind die vorhandenen Basisinformationen wiederum nur auf Englisch abrufbar. Transparenz schaffen wir aber nur, wenn wir auch für einen Zugang zum System, zu den Rahmendaten und zu den Details auf Deutsch sorgen. Der tatsächlichen Installation der deutschen Sprache als Arbeitssprache kommt aber noch aus einem weiteren Grund eine besondere Bedeutung für unsere zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zu. Ich denke dabei insbesondere an die bevorstehende EU-Osterweiterung. Noch geniesst an den osteuropäischen Schulen Deutsch den Vorzug gegenüber Französisch. Das ist gerade für kleinere deutsche Unternehmen ein Vorteil; denn die Benutzung der eigenen Sprache erleichtert die wirtschaftlichen Kontakte. Die Verbreitung der deutschen Sprache in Osteuropa ist deshalb ein Wettbewerbsvorteil und ein Bindeglied, das wir ausbauen müssen. Die herausgehobene Stellung unserer Sprache im osteuropäischen Raum wird sich aber nur dann halten bzw. sogar ausbauen lassen, wenn Deutsch als Arbeitssprache in Brüssel tatsächlich umfassend Anwendung findet. Anderenfalls wird dem Erlernen und dem Beherrschen der deutschen Sprache im osteuropäischen Raum nicht mehr die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt. Man wird dann zwangsläufig anderen Sprachen den Vorzug geben.Die Bundesregierung und ihre Vertreter in den europäischen Institutionen - das gilt aber auch für uns, das deutsche Parlament - müssen sich mehr als bisher und mit Nachdruck um eine stärkere Präsenz der deutschen Sprache auf EU-Ebene bemühen. Wir sollten genügend Selbstbewusstsein haben, um unsere Interessen offensiv zu vertreten. Mit Leisetreterei kommen wir in Brüssel nicht weiter. Mit der Stärkung der deutschen Sprache leisten wir einen nicht unerheblichen Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Vor dem Hintergrund unserer derzeitigen wirtschaftlichen Situation und Wirtschaftsdaten sollten wir alle Energie darauf verwenden, dass diese Forderungen nicht im bürokratischen Dschungel der Brüsseler EU-Instanzen auf Nimmerwiedersehen verschwinden.
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 20. Juli 2009 um 12:35 Uhr